,, Ich bin Ihnen von ganzem Herzen dankbar."
,, Sie müssen natürlich Ihr Aussehen verändern und sich so photographieren lassen. Was für Sprachen sprechen Sie denn?"
دو
,, Damit kann man nichts anfangen. Warten Sie jetzt nebenan!"
Im Nebenzimmer waren zehn oder zwölf Personen versammelt, jüngere Leute meist, teils proletarischen, teils intellektuellen Aussehens. Ludwig fand seinen Platz auf einem primitiven Diwan neben einem jüdischen Mädchen mit Brille, das ein gewandartig fließendes Kleid trug. Er bekam Tee, das halbwüchsige Kind brachte ihm mit vorwurfsvollem Blick eine Tasse davon, schon gezuckert, mit zuviel Milch. Es wurde mäßig geraucht, wahrscheinlich waren die Meisten zu arm dazu.
Von den Stimmen, die Ludwig vorher vernommen hatte, war nur eine einzige übrig geblieben. Sie gehörte einer Frau mittleren Alters, die in einem Sessel eine Art Ehrenplatz einnahm.
دو
Walburga Nothaft," flüsterte das jüdische Mädchen ihm zu. Aber er hätte auch so ihrer Rede entnommen, daß sie die Witwe Heinrich Nothafts war, des Dichters, Schwärmers und Wanderredners, dessen ,, Selbstmord" in einem der Lager vor kurzem bekannt geworden. Sie war eben aus Deutschland gekommen, voll von dem Grausigen, das sie wußte. Sie
185


