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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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sprach in ununterbrochenem Fluß, in ihrem nieder­bayrischen Tonfall, und alle lauschten mit einem Aus­druck von Gram und fast religiöser Sammlung. Sie war eine bayrische Bäuerin, auch heute noch. Sie trug ihre Zöpfe so um den Kopf geflochten und ihr Vor­stecktuch so geschlungen, wie es in den Dörfern nördlich von München Sitte ist. Während sie sprach, öffnete sich mitunter die Tür, Neuankömmlinge er­schienen und nahmen ohne Umstände Platz. Einige Male zeigte sich Scheurer auf der Schwelle zum Nebenraum und winkte jemand hinaus. Das Kind mit den roten Lippen, abweisenden Blicks, ging laut­los umher und servierte den weißlichen Tee.

,, Die haben schon ganze Arbeit gemacht mit ihm, das muß man zugeben," sagte Frau Nothaft. ,, Sie haben dem Heinrich nichts geschenkt. Ich glaube, es hat sie geärgert, daß er trotz allem immer vergnügt war. Denn Ihr wiẞt ja, wie der Heinrich gewesen ist, seine gute Laune ließ er sich garnicht umbringen, und solang er gelebt hat, war's noch nicht ganz so arg und finster für die Kameraden im Lager. Fröhlich gelebt hat er, und die Frauen und das Übrige hat er immer gern gehabt, und deshalb haben auch viele geglaubt, er sei kein ernsthafter Kämpfer gewesen. Aber das war ganz falsch. Es hat's kaum einer so blutig ernst ge­nommen. Bloẞ hat er gemeint, daß man deswegen noch kein böses Gesicht schneiden muẞ. Dir werden wir das Lachen schon austreiben, haben sie ihm ange­kündigt, gleich als er verhaftet worden ist. Prügel, 186