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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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sie streng und nahm Breisachs Karte mit sich hinein. Gleich darauf erschien Scheurer- wenn er so hieß- ein Mann Ende der Zwanzig in einer Art grauer Litewka mit aufrecht stehendem Kragen. Sein Ge­sicht erschien Ludwig leidenschaftlich und schön. Unter dichtem, glänzendem, schwarzem Haar, unter breit gewölbter Stirn, leuchtete und blitzte ein blaues Auge, ein einziges, denn das andere lag im Schatten einer vorgekämmten Strähne. Als aber diese bei einer Kopfbewegung zur Seite glitt, zeigte das zweite Auge sich tot, als ein graugelblicher Gallert mit verbleichter Iris, schreckenerregend.

Der Raum, den sie miteinander betreten hatten, war eine Art Archiv oder Magazin, umstellt mit Regalen, auf denen Pakete lasteten. Auf einem langen, ungestrichenen Holztisch standen in ihren Wachstuchhüllen zwei Schreibmaschinen. Aus dem Raum nebenan kam Stimmengewirr.

Ludwig brachte mit kurzen Worten sein doppeltes Anliegen vor.

,, Bis morgen werde ich wissen," antwortete Scheurer ,,, ob Berichte da sind. Die Praxis der Staats­polizei in solchen Fällen ist es, die Teilnehmer zu dislozieren. Seien Sie darauf gefaßt, daß der eine in Schlesien sitzt, einer in Württemberg und der dritte oben an der dänischen Grenze."

Ludwig nickte.

دو

Was den Paß angeht, so bekommen Sie noch heute Abend Bescheid. Das wird gehen."

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