flossen die Tränen herab, unaufhaltsam. So hatte Ludwig ihn verlassen. Bekenntnis und Sühne waren verschmäht. Eine ewige Lüge war hier gefordert.
Geheimnisvoll und schrecklich klang dies zusammen mit der Tatenlosigkeit, zu der er verdammt schien. Andere hatten für ihn geplant und gehandelt. Andere waren für ihn ereilt worden. Ihm schnürten Fesseln die Hände zusammen. Aber er würde diese Fesseln zerreißen. Er hatte denen, die für ihn litten, Hilfe zu bringen oder für sie unterzugehen. Das hatte er dumpf gewußt auch in den kurzen Tagen jenes geraubten, schuldhaften Glücks. Jetzt war er zu nichts Anderem mehr auf der Welt. Wohin er um sich blickte, er ersah für sich keine mögliche Existenzform. Aber am unmöglichsten erschien dies: irgendwo unterzukommen und im Warmen zu vegetieren, während jene Männer Qualen ausstanden und vielleicht starben.
Bei völligem Dunkel fand er sich unter den Festungswerken des Wyschehrad. Auf Befragen erfuhr er, daß der Stadtteil Dejvice, nach dem er sich zu begeben hatte, entgegengesetzt lag, bestieg eine Straßenbahn, hatte mehrmals den Wagen zu wechseln und kam gegen neun Uhr an. In einer Seitenstraße der Verdunska lag das von Breisach bezeichnete Haus. , Scheurer" stand auf dem Türschild. Ein halbwüchsiges Mädchen öffnete. Im Halblicht des Korridors sah Ludwig, daß sie sich die Lippen geschminkt hatte. Sonst wirkte sie ernsthaft, weit über ihre Jahre hinaus. ,, Warten Sie hier auf meinen Bruder," sagte
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