6.
Allein mit seinen schweren Gedanken begann er zu wandern, achtlos wohin. Er ging zum Hradschin hinauf und weiter durch die Loretogasse, stand im trüben Nachtmittagsende zwischen der gewaltigen Säulenfront des Palais Czernin und dem lieblichen Klösterchen, beladen, ohne etwas zu sehen. Er kam wieder zum Fluß hinunter, durchquerte die Stadt bis unter den Ziskaberg und vollführte dann einen weiten Bogen durch proletarische Viertel, bis er ganz südlich von neuem die gelb sich fortwälzende Moldau erreichte. Er ging, den Mantelkragen in die Höhe gestellt, die Hände in den Taschen, mit den selben, ein wenig schlendernden Schritten wie damals in jenem Gefängniskeller.
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Einsamkeit er mochte das Wort wohl bewegen in seinem Herzen. Da er zum ersten Mal erfuhr, was Glück war, als er es unterm Schauer der Schuld in den Armen hielt, entriẞ es sich ihm, und sein Verlangen griff ohnmächtig ins Leere hinaus.
Er war bereit gewesen, Verantwortung zu tragen, er hatte sich gestellt. Aber im Augenblick, da er bekennen sollte, war ihm der Mund verschlossen worden. Es wäre unmenschliche und sinnlose Grausamkeit gewesen, sich dem Verlassenen noch zu entdecken. Immer sah er Rotteck vor sich an seinem Tisch, das Gesicht mit dem gelähmten Mundwinkel ohne Regung, und aus seinen weitoffenen Augen 182


