Paläste der neuen Machthaber. Aber sie besaßen Vermögen im Ausland. Sie hatten ihre Suiten im Savoy und im Claridge. Ein Kampforgan gegen die deutsche Weltgefahr zu finanzieren, hätte jedem einzelnen von ihnen nicht die kleinste Entbehrung auferlegt. Sie zogen statt dessen vor, sich zu ,, verhalten". In Bereitschaft zu sein, schien ihnen alles. Eines nahen Tages, wer weiß, hatte der Führer und Reichskanzler sich die Hörner abgelaufen, dann fiel von seinem Neubau die antisemitische Ornamentik ab, und die loyalen Juden zogen in Ehren wieder ein. Für diesen Tag hieß es Vorkehrung treffen! Am besten geschah dies dadurch, daß man, während in Deutschland das Hephep- Geschrei gellte, in Wallstreet und in der City Anleihen für die heimischen Judenjäger propagierte. Angriffe gegen den Hitler und seine Schweißhunde konnten solch kluge Vorsorge nur stören. Höchst bedauerlich in der Tat, daß dieser Breisach mit seinem ,, Freien Wort" sich so lange hielt!
Denn er hielt sich nicht nur. Ohne Gönner, in doppeltem Kampf, völlig angewiesen auf das Abonnementsgeld, war die Zeitschrift eine moralische Macht geworden, ein Zentrum des Widerstands. Das ganze Unternehmen stand auf Leo Breisachs Augen. In zweieinhalb Jahren hatte er noch keine vier Wochen Urlaub gehabt. Die tageskritischen Glossen, die jedes seiner Hefte einleiteten, der große Aufsatz zum aktuellen Hauptproblem, der das Kernstück bildete, wurden durch Europa hin von zerstreuten Tausenden
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