mit Begierde und Hoffnung erwartet. Hoffnung nicht auf billigen Trost, vielmehr Hoffnung auf Einsicht, Klärung, Einordnung der tumultarischen Fakten in historischen Zusammenhang. Der Publizist hatte in manchem einzelnen Falle geirrt. Aber der große Fluß der Ereignisse hatte seiner Klarsicht Recht gegeben. Das stückweise Zerbrechen aller Verträge, die an der Schwäche der Umwelt erstarkende Frechheit dieser Rüpeldiplomatie, der Weg einer mit gestohlenem Geld, hämmernder Propaganda und Mord arbeitenden Sprengungspolitik, das alles war in diesen weißen Heften vorgezeichnet worden. Man hatte allzu lange nicht zugehört. Heute hörte man.
Das ,, Freie Wort" war ein Sammelbecken der Information über alles, was in Hitlers Käfigen vorging. Ein Unisono von Aufschrei und Anklage hallte in diese drei kleinen Zimmer. Wer den Fängen der deutschen Maschine entkam, sogleich oder später fand er seine Straße hierher. Der kleine lebhafte Mann hier vor Ludwig trug ein furchtbares Wissen um Leiden und Verzweiflung hinter seiner bräunlichen Stirn.
,, Da wären Sie also," sagte er gutmütig. ,, Ich hatte Sie fast schon früher erwartet. Man darf ja gratulieren. Es heißt, Sie seien als Einziger davongekommen. Eigentlich ganz erstaunlich."
Und Ludwig sah auf dem Hintergrunde der freundlichen Augen ein scharfes Mißtrauen.
,, Darum eben bin ich hier, Herr Breisach. Ich kann nicht als Einziger davongekommen sein."
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