geworden war für Freiheit und Widerstand, durfte nicht mehr genannt werden. Selbst ihn mit Unrat zu bewerfen, schien bedenklich. Wie sie ihn haẞten, lieber Gott, die Fälscher und Hetzer, die Sudelköche und Mordanzettler in ihren Berliner Propagandazentralen! Ein Preis von fünfzigtausend Mark war auf seinen klugen und furchtlosen Kopf gesetzt; aber es war im schützenden Ausland immerhin nicht ganz leicht, dieses schöne Geld zu verdienen. Breisachs Freunde hätten ihn am liebsten auf Schritt und Tritt mit einer Garde umgeben, aber er verbat sich die Fürsorge; es war der einzige Anlaß, bei dem er heftig wurde. Zu seinem Geburtstag vor einigen Wochen- es war der vierzigste- hatten sie ihm einen hübschen kleinen Revolver geschenkt, vorzügliches teures Modell, obgleich sie arm waren. Da lag er auf seinem Schreibtisch als Briefbeschwerer, ungeladen.
Das ,, Freie Wort" war seine eigene Gründung, beinahe ohne Kapital hatte er sie zu Stande gebracht. Man hätte vielleicht annehmen können, daß ihm aus jüdischen Quellen das Geld für sein Unternehmen zugeflossen wäre. Schon im vorbarbarischen Deutschland hatte er als Publizist einen Namen besessen, und gerade die Herren der jüdischen Finanz hatten sich an seinen klaren, fundierten, volkswirtschaftlichen Aufsätzen sehr nutzbringend orientiert. Viele von ihnen teilten jetzt sozusagen mit ihm das Exil. Sie wohnten nicht mehr in ihren Villen am Wannsee, und ihre Aubussons und chinesischen Vasen dekorierten die
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