weckendes, ging von dem kleinen Manne aus. Mit Erleichterung, beinahe beglückt, empfand es Ludwig. Er hatte erwartet, einem ausgesprochenen Intellektuellentypus zu begegnen, etwas Ätzendem, RadikalUnerbittlichem. Er hatte sich auch, aus welchem Grunde immer, vorgestellt, daß Breisach scharfes Berlinisch sprechen müsse. Aber er redete süddeutsch. Es gefiel Ludwig sehr. Und auf einmal, zu seiner Bestürzung, merkte er, daß dies ganz genau das selbe warme und farbige Alemannisch war wie bei Rotteck. Mit geschlossenen Augen hätte man die Beiden verwechseln können. Dieser kleine Jude mußte aus der gleichen Gegend herstammen.
In seinem dunkelblauen, mit Asche bestreuten Anzug und der unordentlich geknüpften Krawatte sah er unscheinbar aus; schön war er nicht mit seiner übergroßen Nase im bräunlichen Gesicht. Aber zwei herrliche, sehr helle Augen, voll von heiterem Licht und strömender Klugheit, dominierten so vollständig in diesem Gesicht, daß nach einer Minute nichts anderes mehr existierte. Er war frei in seinen Bewegungen, grenzenlos unfeierlich, ein kleiner behender lebensvoller Mensch vom Mittelmeer .
Ihn zu karikieren mußte nicht schwer sein, und das hatten sie denn auch reichlich besorgt, drinnen in ihrem Germanenpferch. Auf ihrem reglementierten Zeitungspapier war ein hakennasiger Dämon, der Breisach sein sollte, allwöchentlich aufgetaucht. Aber das war jetzt verboten. Sein Name, der ein Symbol
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