Maria Tein, als er auf dem Altstädter Ring stand. Dies war keineswegs seine Richtung. Er kehrte um. Aber nahe vorm Ziel verließ ihn die Entschlußkraft. Es regnete jetzt auch stärker. So betrat er ein Café, im ersten Stock gelegen, modern comfortabel, etwas kahl. Es war still hier. Schachspieler, einige Liebespaare und viele blasse Studenten, die mit den Zeigefingern in den Ohren hier über den Lehrbüchern saßen. Sie sparten so Heizung und Licht in ihren unbehaglichen Mietsstuben.
Nach Landessitte legte ihm der Kellner einen Stoẞ Zeitungen hin. Mechanisch griff er nach einem reichsdeutschen Blatt und fing an, die Seiten umzudrehen. Als wäre das Wort mit Leuchtbuchstaben gedruckt, sprang ihm eine Notiz entgegen, die ,, Camburg " datiert war. Aber es war garnichts. Bericht über irgendeine Frauentagung.„ Parteigenossin Meusel begrüßte Kreisfrauenschaftsleiterin Krälisch dankte." Kreisfrauenschaftsleiterin! Vornamen hatten die keine mehr. Wie dieser tierische Ernst vor Albernheit stank! Da hatten sie jetzt eine Kreisfrauenschaftsleiterin dort in Camburg ...
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Er lachte plötzlich laut auf, so daß er selber erschrak und ein brünetter Student, der gleich neben ihm Pharmakologie memorierte, ihn gestört und vorwurfsvoll ansah. Ludwig schob die Zeitungen weg. Es war nicht Zeit mehr für solche Flucht. Wenn ihm die Kraft nicht kam, Rotteck gegenüberzutreten, so würde er schreiben. Der Kellner legte Briefpapier vor
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