ihm hin. Verehrter Herr Geheimrat!" Er sah die
دو
Worte an, nahm ein anderes Blatt und schrieb nun:
,, Verehrter Herr Rotteck, ich habe einzugestehen, daß die Beziehung zwischen Ihrer Frau und mir sich in der letzten Zeit geändert hat. Sie ist heute mehr als bloße Freundschaft. Weder Verständnis noch Verzeihung kann ich dafür erbitten. Es ist mir nur Eines zu sagen erlaubt: daß von keiner Leichtfertigkeit die Rede ist, sondern vom tiefsten Ernst-"
Es wurden zehn mühsame, qualvolle Zeilen.
Den Brief in der Manteltasche, ging er im jetzt strömenden Regen die Vodickova hinauf, um ihn dort im Hause beim Pförtner abzugeben. Der Satz, den Sanna ausgesprochen hatte ,,, Du nimmst niemand etwas," rauschte ihm mit dem Regenfall in den Ohren. Mach' Dir keine Bedenken, hieß das, mach keine Tragödie daraus, ich bin frei... Aber er vermochte danach nicht zu handeln. Jede Heimlichkeit schien gerade diesem einen Mann gegenüber unmöglich. Unmöglich wie der Gedanke, sich ein Glück brockenweise zu stehlen, das ganz und ungeteilt sein mußte. Nein, es gab keinen anderen Weg.
In der Hopfenstokova ließen sich die Nähmädchen in ihren weißen Schürzen heute nicht sehen. Aber der verwachsene Schuster hob den Kopf von seinem Leder, als Ludwig vorüberkam, hielt sein Hämmerchen in der Luft, und betrachtete ihn aufmerksam.
Der Hausmeister wohnte hinten im Hof. Nur seine Frau war daheim, ein dürres junges Weib mit weiß
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