großer Nähe blickten. Dann öffnete sie die Lippen zu einem letzten weiten tiefen Kuß. Strömend schmolz ihr Mund in den seinen. Aber kaum hatte sie ihn losgelassen, war er schon wieder durstig nach ihr und streckte die Arme aus. Sie war schon fort. Er lauschte ihr nach, benommen, zu lange. Denn wie er seinen Leinenmantel übergeworfen hatte und sich zum Fenster hinausbog, sah er sie schon nicht mehr.
Es lagen Tage eines zerrüttenden Glücks hinter ihm, die Tage seines ersten wirklichen Mannesglücks, dem der Stachel der Schuld eine äußerste, furchtbare Süßigkeit gab. Das Bewußtsein davon verließ ihn nicht einen Augenblick. Er sprach zu ihr darüber, er versuchte darüber zu sprechen. Aber beim ersten Satz verschloß sie ihm mit der Hand die Lippen.„ Du wirst nicht reden," sagte sie ,,, jetzt nicht. Einmal sei ganz auf der Welt! Du nimmst niemand etwas. Sprich nicht."
Er schwieg also. Er faßte seinen Entschluß für sich allein. Da ging sie jetzt durch die dunkelnden Straßen nach Hause, über den Wenzelsplatz, die Vodickova hinauf, er verfolgte ihre Schritte beinahe Haus um Haus. Diesen Weg würde er morgen auch machen; aber sie wußte es nicht.
Den nächsten Vormittag ließ er vergehen, vergaß zu essen und kam erst gegen drei auf die Straße. Die schönen Tage waren vorbei, die Luft war grau, und es rieselte. Er wanderte umher in der Stadt, die ein verdrossenes Antlitz zeigte. Es schlug halb vier von
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