Der kalte und trübe Monat war schön geworden genau am Tag seiner Ankunft. In einem stillen, lockenden Silberlicht, einem zarten, nichts verhüllenden Nebel, lagen die Hügel der Stadt und ihr ziehender Strom. Sie gingen viel miteinander, so viel, als wären sie beide unbehaust, sie standen im hallenden Schweigen der Gotteshäuser, kamen zehnmal die gleichen Gassen, wanderten wieder und noch einmal zwischen den ausladenden Silhouetten der Standbilder über die Karlsbrücke , entgegen den immer neu zu entdeckenden, weiten Herrlichkeiten des Burgbergs. Und aus jedem Brunnenhof, jedem Stein, drang die Lebenssicherheit eines Europa , daß einmal gewesen war, jener Zeitalter, die Freude an sich selber gehabt hatten und den Trost eines Glaubens. Strahlend aufwärts deuteten die Türme von St. Veit und St. Niklas; aber mit Daseinslust, nobel und fest, lagerten weithin die Häuser eines großen, sich selbst vertrauenden Adels. Und dies alles war kein Museum, kein Brügge und kein Venedig . Allenthalben regte sich tapferes Leben einer Nation, die begann. Einer Stadt, die in Wahrheit erwacht war aus dem langen Provinzschlaf ihrer Vernachlässigung. Der das kaiserliche Gewand nicht zu weit saß, die es füllte mit der Prallheit tätiger Glieder. Hoffnung wehte durch diese Gassen, Hoffnung klang aus den lebhaften Lauten der fremden Sprache. Aber niemand, immer fiel es ihm auf, niemand sprach laut, dies war ein gelassenes, heiteres Volk,- wie wohl das tat nach dem
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