hatten, waren der Qual und Miẞhandlung ausgesetzt. Vielleicht fielen zu dieser Stunde die stählernen Hiebe auf ihre zerfleischten Rücken. Und er war ohnmächtig. Der Befehl, den man ihm an der Grenze vorgesprochen hatte, war eine teuflische Fessel.
Er hatte darauf gezählt, sich mit Rotteck zu beraten. Er kam vor den Richterstuhl seines Freundes und Meisters. Er sehnte sich danach, seinen Freispruch zu hören. Aber er fand keinen Freund, kaum einen lebendigen Menschen. Es war ganz unmöglich, mit Rotteck zu reden. Er saß wie in einer gläsernen Schale. Es hätte einen Axthieb gebraucht, die zu zertrümmern. Über das, was in Deutschland vorging, war bis heute zwischen ihnen kein Wort gewechselt worden- nicht über reale Vorgänge wenigstens. Kein Name einer der unsäglichen Figuren, die dort jetzt Volksschicksal spielten, war über Rottecks Lippen gelangt. Er wußte bis heute nichts von Ludwigs Geschick, er wußte auch nicht, warum Ludwig hier war. Er schickte keinen Blick hinaus über seine tägliche Pflicht, er wollte es nicht, er verbot es sich. Kaum verließ er sein Schreibkabinett. Notwendige Gänge zur Bibliothek, zweimal wöchentlich der Weg zu den privaten Kursen, die er abhielt, um seinen Unterhalt zu gewinnen, mehr war es eigentlich nicht. Bedürfnisse hatte er kaum. Stand er auf von seinem Manuskript, so geschah es widerwillig, Schlaf war eine lästige Unterbrechung. Und Ludwig hatte selbst das Gefühl, als dürfe Rotteck von seinem Dienst keinen
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