undzwanzig zu sterben, war im Allgemeinen bestimmt kein Spaß. Aber das Eine hatte das unsägliche Gelichter, das nun über Deutschland seine schmutzigen Stiefel setzte, erreicht: man verlor nichts mehr mit dem Tod. Schon erschien beinahe ausgetilgt, was an diesem Lande lebens- und liebenswert war. Sie buken mit ihren Henkertatzen dieses allzu fügsame, allzu formbare Volk zu einem ununterscheidbaren Sklaventeig zusammen. Sie schlichen und horchten und spitzelten, sie prahlten und brüllten Gasse und Stuben voll, ein ekelerregender Phrasenschleim überzog Deutschland . Es stank nach Blut und gemeinem Gewäsch. Was sie bauten, war steinerne Phrase. Schon sahen die Städte nicht mehr aus wie vordem, kaum das offene Land. Man konnte keinen Eichbaum mehr ansehen, ohne Brechreiz zu spüren. Was Deutsche gedacht hatten, was deutsche Dichtung gewesen war, wurde posthum verdächtig, weil das Gesindel es zu unsaubern Zwecken stahl, umbog und fälschte. Das harmlose Wohlsein, die Lust am Atmen, waren vergällt. Der gute Bissen und der Wein quollen einem im Munde. Ja, es war so, wo nicht Freiheit war und nicht Barmherzigkeit, da lohnte die Existenz nicht. Da war es sehr gleichgültig, ob man mit zwanzig starb oder mit siebzig. Da war es besser, jung hinzugehen, und vollends, wenn man ein deutscher Fürst war und an vertrauenden Männern schuldig geworden-
Plötzlich drehte sich alles um ihn. Er hielt taumelnd an, schwindelig von seinem tausendmaligen
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