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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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Er hatte meistens die Hände in den Hosentaschen, schleuderte ein wenig die Beine und machte scharf kehrt an der Schmalwand, wieder und wieder.

Er war ruhig. Er prüfte sich selber genau, stellte fest, daß er von Todesfurcht frei sei, und war jung genug, darüber Befriedigung zu empfinden. Ja, es war gut, daß er starb. Was durfte er Anderes wün­schen! Nach dem Fehlschlag der Unternehmung, die seinen Namen trug. Nach dem Leiden, das für ihn über jene Anderen verhängt wurde. War er tot, so würde man milder gegen sie verfahren, gleichgültiger zu mindest. Das Unternehmen zerrann dann in sich. Wahrscheinlich würden die Henker verzichten. Nach ein paar Monaten kamen die Freunde frei. Er hatte gar nichts Andres zu tun als zu sterben. Er wollte es so.

War dies die Wahrheit? Betrog er sich nicht? Glaubte er etwa nicht daran? Er stellte sich die Szene am Morgen recht deutlich vor Augen, gab ihr jede schreckensvolle Realität. ,, Dann spritzt mein Hirn an die Wand," sagte er laut, und blieb gleichmütig. Es hatte am Ende doch etwas für sich, wenn so viele Ahnen von einem in die Schlacht gezogen waren und so viele gefallen-

Aber er suchte nach anderen Gründen für diese Gelassenheit, der er mißtraute. Es gab solche Gründe. Hatte er's nicht selber ausgesprochen, in jener ersten und letzten Rede seines Daseins- noch keine zwei Stunden war es her- daß das Leben nicht mehr lohne, so wie es in diesem Lande geworden war! Mit sieben­

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