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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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vereinigten Männer, sie vor allem, waren bereit. Sehnsüchtig schauten sie aus nach dem, der voran­gehen würde. Nach Einem, den sein Name und sein Sinn wahrhaft legitimierten. Der Tag war nah, er war da, für einen Volksfürsten aus altem Blut.

Ludwigs Skepsis schwand nie ganz dahin unter der heißen Beredsamkeit seines Lehrers. Wahrscheinlich hatte es noch keine Stunde gegeben, da er wirklich im Innersten vertraute. Aber was unermüdlich wieder­holt, unerschöpflich abgewandelt und ausgemalt wird, verliert endlich das Gesicht des völlig Phan­tastischen. Steiger hatte ja recht: was er da wollte und betrieb, war längst so absurd nicht, als was diesem Volke geschehen war und täglich geschah. Und als seine Pläne dann Gestalt annahmen, sich gleichsam verengten, als handelnde Personen, Örtlichkeiten, Daten hervortraten, da erschien das Unternehmen Ludwig schon beinahe vertraut.

Sachsen war zunächst das Ziel. Sachsen , dessen Namen er trug. Fürst von Sachsen und Thüringen - der Titel war ihm vererbt. Alle würden sie ihm zu­fallen, die in einer Monarchie die Rettung vor Lüge, Gewalt und Ruin erblickten. Aber Sachsen war nur der Anfang. Steiger sah weiter.

Arm, mit einem Koffer als einziger Habe, war er in jener Julinacht nach Berlin gefahren, vorsätzlich im gleichen Zug wie Ludwig, ein entlassener Gymna­sialprofessor. Es blieb ganz unklar, wovon er lebte, wovon er seine Reisen bestritt. Denn er war in den

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