Monaten, die folgten, unablässig unterwegs zwischen der Reichshauptstadt, Dresden , und den Städten der Provinz. Seine zwei Anzüge wurden immer schäbiger, sein Aussehen asketischer. Eine Beihilfe anzunehmen, war er nicht zu bewegen. Er benötige nichts, hieß seine ständige Antwort, er brauche nur Eines: Ludwigs Glauben. Es dauerte lang, ehe er ihn auch nur Blicke tun ließ auf das Gewebe, an dem er spann. Im Frühjahr 1935 führte er ihm die ersten Verbündeten zu, umsichtig ausgewählte Männer, von Adel zumeist, übrigens nur der Minderzahl nach aus dem sächsischen. Ein einziger von ihnen war Ludwig bekannt: jener Jurist von Zednitz, ehrgeizig, ziemlich hochmütig, schweigsam, mit dem er auf der Hochschule zusammengetroffen war.
In Ludwigs Berliner Wohnung fand die erste Zusammenkunft statt. Die Herren von Eisendecher, von Unna, Herdegen, von der Unstrut, zuletzt Oberst Bruckdorf, kamen, völlig bereit schon, den Prinzen zu akzeptieren. Sie fanden Steigers schwärmerische Schilderung bestätigt- sie hätten sie wohl in jedem Fall bestätigt gefunden. Und sie behandelten Ludwig vom ersten Augenblick an als den künftigen Souverän, der mit Einzelheiten nicht zu behelligen ist, und der im gegebenen Moment hervortreten wird wie der Gott aus der Wolke.
Die Herren kamen einzeln vor dem Hause am Hohenzollerndamm an, fuhren einzeln mit dem geräuschlosen Lift zum sechsten Stockwerk hinauf,
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