Träume von einem Volksfürsten aus sächsischem Stamm erhielten im Licht der unwahrscheinlichen Ereignisse einen Lebensschimmer von Möglichkeit.
Dennoch war Ludwigs erste Reaktion eine solche der Abweisung, fast des Hohnes gewesen. Ja er, ein noch nicht dreißigjähriges Prinzchen, mit einem unvollendeten Portraitkatalog als Lebensleistung, er war wahrhaftig der Mann, um diese Sintflut von Blut in ihre Dämme zu weisen. Da gab es wohl Andere!
Die gab es eben nicht, war die Antwort. Beschämend genug und tief niederdrückend. Nicht Einer aus diesen einst hochgebietenden Geschlechtern, deren Namen als Inbegriff einer bessern Vergangenheit dem Volk im Herzen nachklangen, nicht Einer war aufgestanden und hatte ein freies Wort gewagt. Sie schienen alles ganz natürlich zu finden. Sie sahen zu, wie da einer mit der Pfiffigkeit des geborenen Bauernfängers erfolgreich alle schmählichen Instinkte aufrief, die auf dem Seelengrund einer Volksmasse schwelen: jede Unsicherheit, jede Dumpfheit, jeden Neid, jede Feigheit, jedes böse Gewissen. Wie alles Großartige und Freie aus dem öffentlichen Leben der Nation, aus ihrer Sichtbarkeit verschwand, und wo es nicht gleich verschwinden wollte, ausgetreten wurde vom Stiefelabsatz des Geheimpolizisten. Wie vom Federstrich einer Klippschüler- Handschrift die deutschen Länder weggelöscht wurden, die die historischen Namen der alten Teilmonarchien trugen. Wie die Partei des Zauberkünstlers, deren Ziel und Sinn
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