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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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Kopf und begann, in anderer Stimmlage, gewisser­maßen von neuem: ,, Hoheit, gnädigster Prinz-"

Denn dort saẞ Ludwig. Mit verschlossenen Zügen hatte er während der Rede Bruckdorfs auf eine Stelle der Tischplatte niedergeschaut, seine Augen hatten sich dort festgesehen, sie zeigten einen entrückten und grübelnden Ausdruck. Er hörte manches nur wie von fern, manches garnicht, es waren ja auch vielfach Dinge, die jeder in dieser Runde auswendig wußte, und nur des Nachdrucks halber, gleichsam um seinen Vorschlägen ein Sprungbrett zu geben, hatte der alte Offizier alles noch einmal ausgebreitet. Ludwig saẞ wie in einem leichten Fieber. Das Gefühl von etwas Unwirklichem, Traumhaftem, hatte ihn in den letzten Monaten kaum verlassen. War in der Tat er, Ludwig von Camburg, zum Mittelpunkt und Sinn dieser Ge­waltpläne ausersehen, die da vor der Verwirklichung stehen sollten?

Sein Lehrer Steiger glaubte damals den Moment gut gewählt, um ihn zu gewinnen. Die Junimorde, die plötzlich taghell beleuchtete, wüste Bedenken­losigkeit des Regimes, mußten, so rechnete er, diese empfindende, leidenschaftliche Seele bereit gemacht haben. Da das grausig Phantastische in diesem Lande geschah, was sollte ferner unausführbar erscheinen! War es nicht endlich geboten und ganz natürlich, einen Abkömmling aus tausend Jahre lang souve­ränem Haus der nie erhörten, blutigen Anmassung entgegenzustellen? Steiger fragte ihn das. Seine alten

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