,, Stellen Sie den Koffer doch auf den Tisch," sagte Ludwig und ging zwischen Schrank und Badezimmer hin und her, um dem Alten die Gegenstände zuzureichen. ,, Wie gehts denn immer? Wie finden Sie sich ab mit den neuen, farbigen Zeiten?"
,, Gott , Hoheit, wie soll's gehen. Mich werden sie ja wohl nicht mehr totschießen mit meinen Achtundsechzig."
,, Nein, Haase, warum sollten sie auch."
دو
Gründe haben die weiter nicht nötig. In den letzten Tagen war's ja wieder ganz schlimm."
,, So, was ist denn passiert?"
,, Haben Hoheit denn nicht die Zeitung gelesen? Und was da drin steht, ist nicht mal der zehnte Teil, soviel weiß man."
دو
Nein, Ludwig hatte keine Zeitung gelesen. Seit mehreren Tagen nicht. Man schrieb heute den 3. Juli. ,, Er hat doch den Hauptmann Röhm erschossen, Hoheit. Und manche sagen sogar, mit eigener Hand." Ludwig blieb stehen, Haarbürste und Kamm in der einen Hand, in der andern den Schwammbeutel. , Bitte noch einmal, Haase!"
وو
Der Alte erzählte. Das Meiste war vages Gerede. Aber eines blieb und stand fest: ohne Untersuchung und Spruch hatte dieser Führer und Reichskanzler seinen Paladin Ernst Röhm exekutieren lassen, den Organisator seines Parteiheers, Baumeister seiner Macht, den Mann der ,, unvergänglichen Dienste, für den er dem Schicksal so dankbar war."
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