schaft, die sich in der Krypta zusammenfand, als Herzog Philipp neben seiner Gemahlin beigesetzt wurde, ganz nahe also auch er bei dem Sarkophag jenes Kaisers. Eine klare, sonderbare Erinnerung ging Ludwig durch die Gedanken. Und wie er sich seitwärts wandte, trafen seine Augen wirklich auf seinen einstigen Lehrer, der dort hinten irgendwo stand, von einem der plumpen, sechseckigen Stützpfeiler halb verdeckt. Aber als man die Kirche verließ und im blendenden Sonnenlichte zum Schloß hinüberging, war er verschwunden.
Am Abend waren die Brüder allein. Die paar Wettiner und Braganzas waren alle schon abgereist. Man hatte zu zweit ein frostiges Diner eingenommen, und saẞ nun in jenem angrenzenden Salon mit den englischen Sesseln, von wo der Blick durch die offenen Fenster über die weiche Flußlandschaft ging. Der Kaffee wurde hereingebracht. Türen schlossen sich mit fernem Nachhall.
Ludwig rührte in seinem Trank. Hier hatte vor fünf Jahren, oder waren es sechs schon, der Frankfurter Antiquar dem Vater sein Geschenk übergeben, die Dekadrachme mit dem lieblichen Nymphenbild. Wie sehr hatte der Herzog sich damals gefreut.„ Das ist generös, Wetzlar, ungewöhnlich reizend, ein ganz großes Vergnügen." Ludwig hörte deutlich die Stimme, die jetzt auf immer schwieg, und spürte mit Unbehagen, daß sie ihn nicht bewegte. Ein schmaler Schatten trat vor den Vater. Dort neben dem Kamin hatte
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