das Kind gesessen, auf dem hochlehnigen Holzstuhl, der immer noch an der gleichen Stelle stand, und Tränen waren ihr über das schmale Gesicht herabgeströmt. Sie mußte nun groß sein und schön. Er wußte garnichts von ihr, hatte kaum einmal an sie gedacht. Wie mochte sie leben? Sie hatte wohl seither noch Anderes über ihr unglückliches Volk gehört, als die Flegeleien des Bruders, der ihm hier gegenübersaẞ.
Der hatte eben begonnen zu reden. Allzu bequem zurückgelehnt in seinen tiefen Sessel, eines der uniformierten Beine über das andre geschlagen, ließ er sich sicheren Tones vernehmen.
,, Um auch von der äußern Gestaltung Deines Lebens ein Wort zu sagen, so wird da Einschränkung nötig sein. Ich habe mich über den Stand der Finanzen orientiert. Ich bin wenig befriedigt."
Dazu hat er heute Zeit und Laune gefunden, dachte Ludwig bei sich und blickte mit Widerstand auf das hübsche Gesicht.
,, Du warst bis heute mit zweitausend Mark im Monat apanagiert. Ich habe die Materie mit Renthauptmann Grunsky durchgesprochen. Du wirst Dich künftig mit zwölfhundert einrichten müssen."
Er wartete. Ludwig reagierte nicht.
دو
Vielleicht läßt sich an eine neuerliche Erhöhung
denken, wenn hier einmal liquidiert ist."
دو
, Was willst Du denn hier liquidieren?"
,, Alles totliegende Kapital. Vor allem diese ganz unnütze Sammlung in ihrem grünen Samt."
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