Krankheit hatte er nichts gewußt. Zwar hatte bei seinen letzten Besuchen der Herzog sich wenig wohl gefühlt, hatte über rheumaartige Schmerzen im Rücken und im linken Arme geklagt, aber der Leibarzt Dr. Sittart, der die Angina pectoris lang erkannt hatte, hielt es für nutzlos, den Patienten oder die Söhne nach seinem Wissen zu unterrichten. Er sorgte für Linderung, mehr war ohnedies nicht zu erreichen.
Herzog Philipp lag in Bewußtlosigkeit, der durch narkotische Mittel nachgeholfen war. Das Gesicht war eingesunken, bläulich um Nasenwinkel und Mund. Eine alte Ursulinerin hantierte geräuschlos. Neben dem Sterbenden, auf einem Schemel, stand ein mit Samt ausgeschlagener Kasten, darin Münzen lagen. Die schöne Dekadrachme von Syrakus war auch dabei. Erst bei diesem Anblick kamen Ludwig die Tränen.
In der Nacht traf sein Bruder August ein. Sie begrüßten einander kalt. Es war ihr erstes Zusammentreffen- seit damals. Der Erbprinz steckte jetzt in einer schwarzen Uniform, die ihn besser kleidete als das ehemalige Braun. Statthalter war er nicht geworden, aber er bekleidete irgendwelche anderen gehobenen Funktionen, Ludwig hätte nicht angeben können, welche. Das Parfum seines Bruders, Heliotrop jetzt und etwas weniger aufdringlich, vermischte sich seltsam mit dem Weihrauchduft, den der ölungspendende Priester hinterlassen hatte.
Herzog Philipp erlangte das Bewußtsein nicht wieder. Er starb gegen Morgen.
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