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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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und strammstanden, auch nicht Hitlersche Milizen. Es waren hunderte von Schaffnern, ganz einfach Stadtbahnschaffner, er erkannte es an der Uniform, obgleich die im unsichern Morgenlicht eine gespen­stische Farbe zeigte, eine Art schmutziges Lila. Sol­datisch adjustierte Vorgesetzte kommandierten ge­dämpft. Vor ihrer langen Tagesfron, nach verkürz­tem Schlaf, hatten diese Verkehrsbeamten hier anzu­treten, um militärischen Dienst zu tun.

Ludwig stand lange. Ein Begriff davon, daß so ein ganzes, um seinen Willen beschwindeltes Volk trupp­weise herangeholt und für ein nahes oder ferneres, recht finsteres Ziel gedrillt wurde, kam ihm. Er blickte auf die hunderte von lila Figürchen, die von hier oben ganz spielzeughaft wirkten, und vergaß das Leitungs­wasser, das hinter ihm rauschte.

Als er endlich zurückkam, war Hertha ungeduldig geworden. Halb angekleidet saß sie auf dem Bett­rand. Er präsentierte ihr Karaffe und Glas. Sie be­trachtete ihn aufmerksam. ,, Du siehst ja aus," sagte sie ,,, als hättest Du in Deiner Küche den Teufel ge­sehen."- ,, So etwas Ähnliches," gab er zur Antwort.

Er fuhr sie zu ihrer elterlichen Wohnung und kehrte zurück. Als er nach ein paar Stunden Schlaf unfrisch erwachte, lag auf seinem Nachttisch ein Telegramm, versehen mit dem roten Streifen, dringend befördert also. Er riß es auf. Das Hofmarschallamt beschied ihn nach Hause. Mit seinem Vater ging es zu Ende.

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Gegen Abend langte er an. Von einer tödlichen