Aber solche Beziehungen blieben ohne rechte Gestalt für Ludwig und versickerten bald. Eine einzige, die zu der kleinen Hertha Westphal, zog sich mehrere Monate fort, bis hinein in den Sommer 34.
Sie war die Tochter eines Funktionärs aus dem Bereich des Vizekanzleramts und war reizend. Ganz blond und hell, leicht wie ein Hauch, verspielt provokant und naiv. So weit es ihrer Natur gemäß war, liebte sie ihn. Aber die Freuden, die er selbst aus dieser Verbindung davontrug, waren recht flüchtiger Art, so sehr, daß es ihm auf's Gewissen fiel. War er etwa einer innigeren Zärtlichkeit garnicht fähig? Er umging in sich selber die Antwort. Aber er kannte sie wohl.
Es war in einer Nacht spät im Juni, in Ludwigs Schlafzimmer. Sie klagte über einen sengenden Durst. Wein stand da. Aber sie wollte ein Glas oder am liebsten drei Gläser frischen kalten Wassers. Ganz leise, um den säbelbeinigen Imme nicht zu wecken, schlich Ludwig hinüber in die Küche und drehte an der Leitung den Hahn auf. Er wartete, damit das Wasser recht frisch würde. Durch das vorhanglose Geviert des Fensters kam der Morgen, es mochte halb fünf sein. Er öffnete, um die kühle Luft einzusaugen. Da sah er aus seinem hochgelegenen Ausguck auf ein Schauspiel, das ihn erstaunte.
Hier hinter dem Haus erstreckten sich weite Höfe und Plätze. Und zu dieser Stunde wurde hier exerziert. Es waren nicht Soldaten, die da einschwenkten
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