Als die Minute der Abfahrt herankam, brach draußen das Gewitter los. Der Sturm heulte durch die kleine Halle. Das Donnerkrachen verschlang wohltätig die Abschiedsworte. Ludwig stand und winkte. Von Rotteck sah er nichts mehr. Aber Susanna beugte sich zum Fenster heraus. Eine starke Strähne ihres hellrotblonden Haares war aufgegangen und züngelte im Sturm wie ein Fanal.
Er fuhr langsam die nächtige Straße zurück. Das Unwetter war vorbei, und von Wiesen und Wäldern kam wundervoller Sommernachtduft. Es war halb zwei, als er ankam und über den Eichplatz fuhr. Das marmorne Burschenschaftsdenkmal glänzte vor Nässe: der Student in der Tracht von vor hundert Jahren, mit Schwert und Fahne, Memento freiheitsmutiger Jugend.
Am andern Mittag las er in der Lokalzeitung, daß Herr Werner Hoffedanz, 31jährig, aber schon seit 1924 Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, auf Rottecks erledigten Lehrstuhl berufen worden sei.- Zwei Tage später verließ er die Hochschule.
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