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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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Als die Minute der Abfahrt herankam, brach draußen das Gewitter los. Der Sturm heulte durch die kleine Halle. Das Donnerkrachen verschlang wohl­tätig die Abschiedsworte. Ludwig stand und winkte. Von Rotteck sah er nichts mehr. Aber Susanna beug­te sich zum Fenster heraus. Eine starke Strähne ihres hellrotblonden Haares war aufgegangen und züngelte im Sturm wie ein Fanal.

Er fuhr langsam die nächtige Straße zurück. Das Unwetter war vorbei, und von Wiesen und Wäldern kam wundervoller Sommernachtduft. Es war halb zwei, als er ankam und über den Eichplatz fuhr. Das marmorne Burschenschaftsdenkmal glänzte vor Näs­se: der Student in der Tracht von vor hundert Jahren, mit Schwert und Fahne, Memento freiheits­mutiger Jugend.

Am andern Mittag las er in der Lokalzeitung, daß Herr Werner Hoffedanz, 31jährig, aber schon seit 1924 Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, auf Rottecks erledigten Lehrstuhl be­rufen worden sei.- Zwei Tage später verließ er die Hochschule.

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