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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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Schon von Weitem sahen sie die Eingänge zum Bahnhof besetzt. Es waren braune Trupps, unter­mischt mit Studierenden in Zivil; alle johlten. Auch auf dem Platz standen Gruppen umher. Man hatte von der Abreise Wind bekommen und versprach sich ein Fest.

Ludwig bog scharf nach rechts. Er beugte sich zum Wagen heraus und gab dem Taxichauffeur einen

Wink.

دو

Was machen Sie denn," fragte Rotteck und faẞte von rückwärts nach seiner Schulter, ,, nur immer mutig heran!"

,, Auf fremde Rechnung bin ich nicht mutig," gab er zurück. Er hatte in voller Fahrt den Platz über­quert, daß die Gruppen fluchend auseinander fuhren.

Es fing an zu dunkeln. Sie waren auf der Straße nach Gera . Auf halbem Wege mitten im Wald hatte das Taxi eine Reifenpanne. Man mußte Koffer und Kassetten abladen, um den Wagen zu heben. Es war spät am Abend und gewitterschwül, als man einfuhr. Im trüb erleuchteten Restaurant eines Hotels am Bahn­hof, das ,, Victoria" hieß, ließ man sich nieder und nahm Tee. So viel war zu sagen, daß niemand ein Wort fand. Wie Rotteck seine Tasse zum Munde führte, zitterte ihm die Hand derart, daß der Trank überfloẞ.

Um 11 Uhr 40 ging ein Zug. Es war ein sogenann­ter gemischter Zug, bestehend aus Güterwagen und zwei Personenwaggons, in denen kaum Licht brann­te. Sehr viele Milchkannen wurden eingeladen.

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