Rotteck weigerte sich: ,, Wenn es noch zehn sind statt fünfzig, bekommen sie Tee." Am nächsten Morgen war an der Türe des Auditorium Maximum ein Zettel befestigt:„ Wegen mangelnder Zivilcourage vieler Hörer findet meine Vorlesung im Saal 28
statt."
"
Auch der kleine Saal 28 erwies sich als viel zu geräumig. Nur die zwei vordersten Bankreihen waren besetzt. Rotteck las über Cranach. Als er zwanzig Minuten gesprochen hatte, öffnete sich sperrangelweit die Tür, und ein Haufen junger Leute drang ein, die meisten in Parteiuniform. Unter Gepolter nahmen sie Platz. Ludwig war aufgesprungen, hatte sich den Eindringlingen zugekehrt und musterte sie. Der Unterkiefer zitterte ihm, es war ein Reflex, dessen er nicht Herr werden konnte. ,, Nehmen Sie doch Platz, Herr Prinz von Sachsen," hörte er Rotteck freundlich sagen ,,, oder wünschen Sie etwas?" Ludwig setzte sich, außer sich und beschämt. Ein töricht atavistischer Vorgang hatte sich in seinem Innern abgespielt: er sah sich selber geharnischt, als irgendeinen wettinischen Diedrich oder Thietmar, wie er sie aus Steigers Geschichtsstunden kannte, den schweren Zweihänder in Fäusten dort vorm Katheder stehen und seinen Meister decken gegen die Knechtsbande. ,, Ich träume schon so elendes Zeug wie das braune Gelichter selbst," dachte er mit Ärger- da wurde mit einem Mal die Luft im Hörsaal unatembar. Dort hinten halb unterdrücktes Gescharr und Ge
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