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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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kicher. ,, Stinkbomben," sagte zu Ludwig sein Bank­nachbar; er sagte es vorwurfsvoll, als trüge der Prinz oder doch mindestens der Geheimrat die Schuld.

Rotteck unterbrach sich. ,, So habe ich mir Ihre Ausdünstung schon immer vorgestellt," sprach er ge­lassen. Hämisches Gemecker antwortete. Einer der Wohlgesinnten in der ersten Bank stand zögernd auf, geduckt, um ein Fenster zu öffnen. Als er merkte, daß ihm nichts geschah, kehrte er hochaufgerichtet auf seinen Sitz zurück. Draußen wehte durchsonnte Mai­luft, aber die Atmosphäre im Raum wurde kaum er­träglicher. Man hörte Husten und Würgen, doch unterdrückt, denn die Gutgesinnten wünschten offen­bar, über das unliebsame Geschehnis ohne Konflikt fortzukommen. Sie fühlten sich in der Minorität, ob­wohl sie zahlreicher waren. Denn hinter Jenen dort stand der aufbrechende Geisteshaẞ einer ganzen wild­gewordenen Philisterschaft.

Rotteck schob seine Papiere zusammen. ,, Die Her­ren werden ersucht, sich privat auszustinken," sagte er abschließend, stieg vom Katheder und schritt zum Ausgang. Der Prinz von Sachsen ging ihm zur Seite und stieß die Tür vor ihm auf.

Vor dem Hauptportal im hellen Mittagslicht stand, von einer Leere umgeben, Susanna. In einem rost­braunem Kostüm, das ihre Gestalt modellierte, und einem rostbraunen flotten kleinen Hut mit einer ziemlich frechen roten Feder darauf, sah sie höchst verlockend und zugleich streitbar aus. Rotteck zog

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