licher Zwischenfall- möglich oder beinahe gewiß. Dergleichen zu überblicken, war der Moment nicht gekommen, am wenigsten für einen Studierenden der Kunstwissenschaft an einer kleinen Universität. Er spürte nur den Gestank. Als Knabe einmal, auf einem Spaziergang mit Steiger zur Camburg , hatte er im Wald einen großen Stein umgedreht, der überwachsen war von tauschimmerndem, smaragdenem Moos. Ein muffiges Loch wurde sichtbar, darin Geziefer wimmelte, ekelerregende Würmer und Asseln. Fassungslos hatte er auf die widerliche Offenbarung hinuntergestarrt. Das fiel ihm jetzt ein. Was er täglich um sich und unter sich sah, war ein kriechender Wettlauf der Feigheit, der schleimigen Unterwürfigkeit, war die zuckende Gier, nur ja um Lebens- und Sterbenswillen jedes Opfer an Anstand und Vernunft zu bringen, um vielleicht noch Gnade zu finden. Jeder bespitzelte Jeden. Wenn der Geheimrat Johannes Rotteck in der Universität die Korridore entlangschritt, öffneten sich links und rechts vor ihm die Türen und verschluckten Dozenten und Studierende, die Angst hatten, ihn zu grüßen.
Der Rektor der Hochschule, Herr Zeilbecker, Mathematiker seinem Fach nach, mausartig von Ansehen und klug, bat den Geheimrat zu sich und legte ihm eine Unterbrechung seiner Vorlesungen nahe. ,, Sie sehen ja selbst, wie es steht. Statt dreihundert Hörer hatten Sie fünfzig das letzte Mal. Jeden Tag kann Irreparables passieren."
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