aus dem Volk, auf dessen Nacken der ganze schwere Oberbau der Gesellschaft wuchtet. Das Lastentragen, das ,, für uns Schleppen"- es hat hier nichts Abstraktes, nichts Überspirituelles mehr. Ein zu Boden gepreßter Arbeitsmann, der für uns Sünder gefront hat- so hat ihn dieser Meister gefühlt und gemalt, ob er es nun in Worten gedacht haben mag oder nicht. Denn was bei uns armen Gehirnleuten ein Begriff, ein schleichender Syllogismus ist, das ist bei solch einem Meister ein schaffender Pinselschlag. Martin Luther , sein Zeitgenosse, das wissen Sie, hat es sehr mit der Angst bekommen, als plötzlich das Volk vor ihm aufstand und ihn, den Verkünder der Freiheit, als Eideshelfer für sein Recht forderte. Da war der wortgewaltige Gottesmann plötzlich viel zu fein für die Bauern. ,, Dem Esel gehört sein Futter, Last und Geißel," hieß es da, und gemeint war der Bauer. ,, Hohe Zeit ist's, daß sie erwürgt werden wie tolle Hunde," hieß es da, und gemeint waren die Bauern. Denn die Freiheit eines Christenmenschen, nicht wahr, das ist eben eine Idee, eine Theorie, an der hat man sich's genug sein zu lassen, und mit Leibeigenschaft, Kornzehntem und Jagdverwüstung hat das garnichts zu tun. Wenn Sie einen freien Deutschen sehen wollen- rarissimam avem, für die unter Ihnen die Lateinisch können- so sehen Sie ihn hier vor sich in dem Meister, der das gemalt hat."
Er klopfte mit seinem Stock zweimal auf's Pult, und ein anderer Teil des Altars erschien auf der Leinwand. 46


