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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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Prinzen wie er liefen zu Dutzenden, liefen schock­weise in Deutschland herum, und wenige, das wußte er, hatten etwas aufzuweisen, was einem Lebenszweck ähnlich sah. In früherer Zeit, als die zwanzig Dyna­stien noch in Funktion waren, hatten sich Volkswirt­schaft und Verwaltungsrecht als Studium von selber empfohlen; es war immer gut, davon etwas zu ver­stehen, wenn man vielleicht eines Tages doch auf den angestammten Löwen- oder Adlersessel gelangte. Überhaupt war damals der Weg vorgezeichnet. Man trat in ein Corps ein, in ,, das" Corps, jenes vornehm­ste, das die Söhne des heimischen Adels mit einigen auserlesenen Bürgerlichen vereinigte, und lernte hier, von der studentischen Disziplin bis auf wenige Äußerlichkeiten entbunden, seine zukünftigen Staats­minister und oberen Verwaltungsbeamten kennen.

Mit alldem war es vorbei. Die Ehrfurcht, die noch fünfzehn Jahre zuvor die souveränen Familien getra­gen hatte, war eine Erinnerung, gerade noch wirksam genug, um deren Söhne mit einer Isolierschicht zu umgeben. Mit einigen Studierenden von Adel, einem Larisch, einem Gerstenberg, einem Herrn von Zed­nitz besonders, stellte sich Umgang her, aber auch der war nicht ohne Gezwungenheit. Selbst diese jungen Leute wußten noch eher, wohin sie sozial und beruf­lich gehörten.

Prinz Ludwig, solcherart alleingelassen, hatte für juristische Vorlesungen inscribiert, auch für natur­wissenschaftliche und philosophische, und war über­

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