Prinzen wie er liefen zu Dutzenden, liefen schockweise in Deutschland herum, und wenige, das wußte er, hatten etwas aufzuweisen, was einem Lebenszweck ähnlich sah. In früherer Zeit, als die zwanzig Dynastien noch in Funktion waren, hatten sich Volkswirtschaft und Verwaltungsrecht als Studium von selber empfohlen; es war immer gut, davon etwas zu verstehen, wenn man vielleicht eines Tages doch auf den angestammten Löwen- oder Adlersessel gelangte. Überhaupt war damals der Weg vorgezeichnet. Man trat in ein Corps ein, in ,, das" Corps, jenes vornehmste, das die Söhne des heimischen Adels mit einigen auserlesenen Bürgerlichen vereinigte, und lernte hier, von der studentischen Disziplin bis auf wenige Äußerlichkeiten entbunden, seine zukünftigen Staatsminister und oberen Verwaltungsbeamten kennen.
Mit alldem war es vorbei. Die Ehrfurcht, die noch fünfzehn Jahre zuvor die souveränen Familien getragen hatte, war eine Erinnerung, gerade noch wirksam genug, um deren Söhne mit einer Isolierschicht zu umgeben. Mit einigen Studierenden von Adel, einem Larisch, einem Gerstenberg, einem Herrn von Zednitz besonders, stellte sich Umgang her, aber auch der war nicht ohne Gezwungenheit. Selbst diese jungen Leute wußten noch eher, wohin sie sozial und beruflich gehörten.
Prinz Ludwig, solcherart alleingelassen, hatte für juristische Vorlesungen inscribiert, auch für naturwissenschaftliche und philosophische, und war über
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