all ziemlich rasch erlahmt, da weder ein faẞbarer Zweck noch eine entschiedene Neigung ihn leiteten. Vielleicht wäre das anders gewesen, wenn starke Figuren unter den Lehrern ihn angezogen hätten. Diese Hochschule besaß eine stolze Tradition. Von ihren Kathedern hatten Fichte, Schlegel, Schelling, hatte sogar Schiller zur Jugend gesprochen. Diese Vergangenheit war toter Schall. Ludwig hatte eigentlich bei jedem der Professoren die miẞmutige Empfindung, daß ein beliebiges Lehrbuch den mündlichen Vortrag völlig zu ersetzen imstande sei. Er fühlte sich überhaupt nicht wohl. Bei aller Bescheidenheit des Camburger Hofes war er eben doch ein verwöhnter junger Mann, und die gedrängte Nähe der nicht immer soignierten Kommilitonen bereitete ihm Unbehagen. Er registrierte das mit Ärger über sich selbst.
Da geriet er, schon gegen Ende seines zweiten Semesters, in eine kunsthistorische Vorlesung des Geheimrats Johannes Rotteck. Es geschah beinahe mit dem Gefühl, etwas Verbotenes zu tun. ,, Kunstgeschichte ist garnichts," hatte daheim sein Lehrer Steiger gelegentlich zu ihm gesagt ,,, Kunstgeschichte ist etwas für unnütze Söhne aus alten Firmen." - ,, Ganz mein Fall," hatte er lachend geantwortet. Aber das Wort war haften geblieben.
Es war sogleich fortgewischt, wie er jetzt den Mann da oben auf seinem Katheder sah, einer kleinen Estrade eigentlich, auf der er sich im Reden bewegte. Etwas weniger Professorales an Erscheinung ließ sich 44


