3.
Ludwig von Camburg war kein sehr normaler Student. Mit den zweitausend Zwanzigjährigen, die sonst die Gassen und Hallen der Universitätsstadt bevölkerten, hatte er wenig gemeinsam.
Es war Tradition, daß die Söhne seines Hauses diese nahegelegene Hochschule bezogen; er hatte der Überlieferung umso lieber gehorcht, als die Luft des väterlichen Palais auf ihm zu lasten begann.
Bei Herzog Philipp war die Beschäftigung mit seinen Münzen allmählich zur beherrschenden Schrulle geworden, eine gemarterte Langeweile drückte sich in seinen Zügen aus, sobald auf etwas Andres die Rede kam. Nun war freilich Ludwigs Interesse echt und nahm zu. Hier war ihm zuerst offenbart worden, was eigentlich Kunst sei. Dennoch konnte ihm niemand zumuten, in stundenlangen Konversationen über Prägestempel und Feingehalt, über Prägerechte und Fälschung, den ausschließlichen Inhalt für seine jungen Jahre zu erblicken. Er atmete auf, als er in der Universitätsstadt anlangte.
Mit seinem Diener Hermann bezog er die kleine Etagenwohnung, die man in der Villengegend für ihn ausfindig gemacht hatte. Darauf begann er gemächlich sich umzusehen. Aber wonach? Welches Studium empfahl sich für einen deutschen Fürstensohn in dieser Zeit? Ludwig war weit davon entfernt, seine Stellung in der Welt für etwas Besonderes zu halten.
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