phisch angefragt, ob sein Besuch genehm sei, in einer Form, aus der nicht hervorging, daß er die Bedeutung des Tages kannte. Antiquarische Geschäfte aber waren diesmal nicht abzuwickeln.
Die Mittagsmahlzeit im kleinsten Kreis war vorüber. Der Erbprinz stand auf. ,, Du könntest wenigstens noch den Kaffee mit uns nehmen," sagte sein Vater erstaunt und wies nach dem anstoßenden Raum.
Prinz August erwiderte laut und schneidend: ,, Ich komme wieder, Papa, sobald hier die übliche gute Luft herrscht." Er verbeugte sich eckig und ging.
Ludwig war um die Nase herum ganz weiß geworden, er verspürte eine plötzliche Übelkeit. Ohne den Kopf zu bewegen, blickte er zwischen den Anwesenden hin und her. Sowohl der Herzog als der Hofmarschall als auch der dienstuende Adjutant hatten völlig sachliche, ausdrucklos verbindliche Gesichter. Gesichter, die das Gehörte leugneten, es einfach ausstrichen, man konnte zweifeln, ob etwas dergleichen wirklich ausgesprochen worden war. Anders der Antiquar selbst. Auf den Arm seines stillen Töchterchens gelehnt, stand er schon aufrecht. Er lächelte entschuldigend.„ Junge Leite!" sagte er mit besonders starkem Akzent und erweckte damit in Ludwig eine seltsam komplizierte Empfindung. War dies Würdelosigkeit, Demut, Hohn oder war es Weisheit - er wußte es nicht zu entscheiden. Aber noch dreißig Jahre später, als Jacques Wetzlar und der Herzog lange schon tot waren und er selbst graue Schläfen
38


