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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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phisch angefragt, ob sein Besuch genehm sei, in einer Form, aus der nicht hervorging, daß er die Bedeutung des Tages kannte. Antiquarische Geschäfte aber wa­ren diesmal nicht abzuwickeln.

Die Mittagsmahlzeit im kleinsten Kreis war vor­über. Der Erbprinz stand auf. ,, Du könntest wenig­stens noch den Kaffee mit uns nehmen," sagte sein Vater erstaunt und wies nach dem anstoßenden Raum.

Prinz August erwiderte laut und schneidend: ,, Ich komme wieder, Papa, sobald hier die übliche gute Luft herrscht." Er verbeugte sich eckig und ging.

Ludwig war um die Nase herum ganz weiß gewor­den, er verspürte eine plötzliche Übelkeit. Ohne den Kopf zu bewegen, blickte er zwischen den Anwesen­den hin und her. Sowohl der Herzog als der Hofmar­schall als auch der dienstuende Adjutant hatten völlig sachliche, ausdrucklos verbindliche Gesichter. Ge­sichter, die das Gehörte leugneten, es einfach aus­strichen, man konnte zweifeln, ob etwas dergleichen wirklich ausgesprochen worden war. Anders der Antiquar selbst. Auf den Arm seines stillen Töchter­chens gelehnt, stand er schon aufrecht. Er lächelte entschuldigend. Junge Leite!" sagte er mit beson­ders starkem Akzent und erweckte damit in Ludwig eine seltsam komplizierte Empfindung. War dies Würdelosigkeit, Demut, Hohn oder war es Weisheit - er wußte es nicht zu entscheiden. Aber noch dreißig Jahre später, als Jacques Wetzlar und der Herzog lange schon tot waren und er selbst graue Schläfen

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