dem zehnjährigen Prinzen auf seinem Balkon klar, daß dies der unterzeichnete Thronverzicht war.
Um halb eins war Familienfrühstück wie immer. Ludwig war gespannt, was der Vater vom Ereignis des Vormittags zu berichten haben würde. Aber er berichtete garnichts. Der einschneidende Akt wurde ignoriert. Herzog Philipp erschien ruhig wie sonst und teilte in langen Pausen ein paar seiner frostigen Scherze aus. Sein Haus war mehr als tausend Jahre souverän gewesen, ihm seinen Rang durch ein Blatt Papier abdingen zu wollen, war eine nicht erwähnenswerte Albernheit. Erwähnt wurde sie immerhin, einmal, ganz kurz, ganz zum Schluß. Als der Herzog die Tafel aufhob und seiner Gattin die Hand küßte, hielt er sie einen Augenblick länger fest als gewöhnlich und sagte mit herabgezogenen Mundwinkeln: ,, Auf der Schreibmaschine getippt, Beatrix!" Das war alles. Aber augenblicklich, als hätte sie auf dies Stichwort gewartet, liefen der Herzogin die Tränen herunter.
Anna Beatrix war eine portugiesische Braganza, sehr fromm, sehr still, vom Beginn ihrer Ehe an leidend. Ihre Stimme, die lieber und geläufiger Französisch sprach als Deutsch, klang klagend und bleicht, es war eine weiße Stimme.
ausge
Einige Wochen nach der Thronentsagung feierte Ludwig seinen zehnten Geburtstag. Nach dem Herkommen wäre er an diesem Tag als Leutnant in das Sachsen- Camburgische Infanterieregiment eingestellt worden. Eine kleine Uniform mit Gardelitzen war
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