bereits angefertigt und lag bereit. Dies fiel nun weg. Statt dessen hing ihm seine Mutter am Morgen, nach dem Gottesdienst in der Annenkirche, den Smaragd der Maria da Gloria um den Hals. Sie küẞte ihn unter Tränen dabei. Ludwig war ihr Liebling.
Im Übrigen blieb so ziemlich alles wie es war. Der Landtag des kleinen Bundesstaats hatte eine sozusagen sozialistische Mehrheit, die fast vom ersten Tage an mit schlechtem Gewissen regierte. An den gesellschaftlichen Verhältnissen änderte sich nichts, an den ökonomischen beinahe nichts. Die Lage der Arbeiter in den Industriebezirken des Ländchens- man produzierte vorwiegend Spiel- und Glaswaren- blieb wie sie gewesen, die Lage der landesherrlichen Familie ebenfalls. Der sozialistische Landtag sprach ihr eine Abfindung in fast verblüffender Höhe zu. Man wollte auch ferner den Glanz des uralten Hauses, auf das man stolz war. Es blieben der Hofstaat und das bescheidene Zeremoniell, es blieben sogar die beiden grün- weiß gestrichenen Schilderhäuschen am Hauptportal, obwohl sie jetzt leer standen. Nicht ohne Bedauern nahm der Staatspräsident, eben jener kleine Herr, der in der Mitte der Delegation geschritten war, Inhaber eines florierenden Gas- und Wasserleitungsgeschäfts, sein Hoflieferantenschild herunter. Er war aber auch der Einzige, der das tat. Es wurden sogar neue Hoflieferanten ernannt, und jedermann fand es ganz in der Ordnung.
Prinz Ludwig genoß weiter den Unterricht des
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