Dr. L. läßt keinen Zweifel daran bestehen, daß ,, Anarchie" die Demokratie meint:
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,, Diese doppelte Anarchie hat ihre Zusammenfassung in jener Geisteshaltung, die seit 200 Jahren als materialistische und mechanistische Weltanschauung tief in das Denken und Leben der abendländischen Völker eingedrungen ist und jedes Verantwortungsgefühl vor Gott und vor den Mitmenschen zu ersticken droht."
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Diese Geisteshaltung" ist es allerdings, welche die Entwicklung zu Liberalismus und Demokratie ermöglicht hat. Eine Erinnerung daran ist wenig rühmlich für die Kirche; halten wir also fest, daß der Angriff eines Pfarrers gegen die Demokratie, seine Einmischung in die Politik unter Berufung auf die Religion, dazu den Anlaß gegeben hat.
Ueber Ursprung und Beschaffenheit der Welt haben schon die Gelehrten des Altertums lange vor Christi Geburt verschiedenerlei Meinungen begründet, und noch in jüngster Zeit hat Einstein allen vorherigen Anschauungen eine neue entgegengestellt. Sicheres wissen wir weder über die Beschaffenheit noch über das Wesen des Weltalls, und solange dies der Fall ist, bleibt jede Weltanschauung gleich berechtigt. Das eine steht allerdings fest: Die Weltanschauung, welche die Kirche fast zweitausend Jahre hindurch und mit Anwendung von Gewalt vertreten hat, diese Weltanschauung war irrig!
Die biblische Schöpfungsgeschichte stellt die Erde in den Mittelpunkt des Weltalls. Gott erschuf Sonne, Mond und Sterne nur so als Beiwerk für die Erde, die Sonne zur Beleuchtung des Tages, den Mond zur Beleuchtung der Nacht; alles drehte sich um die Erde.
Das war das Weltbild, wie es vor 1800 Jahren der Astronom Die und Mathematiker Ptolemäus in Alexandrien aufstellte. Menschen, welche die Schöpfungsgeschichte schrieben, haben es nicht besser gewußt; sie waren also nicht von Gott direkt inspiriert, sonst hätte ihnen ein solcher Irrtum nicht unter
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