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sehen: Eritis sicut deus" ,,, ihr werdet sein wie Gott ". Dieses unausrottbare Verlangen des Menschen ist seine religiöse Anarchie, die die sittliche Anarchie unweigerlich nach sich zieht; d. h. den Anspruch, selbst zu bestimmen, was gut und böse ist."
Selbst bestimmen wollen, was gut und böse ist, das ist Demokratie! Nicht in der Bibel und in keinem Evangelium findet sich eine Stelle, die das verbietet. ,, Gott erschuf den Menschen nach seinem Ebenbilde." Das kann nur bezogen werden auf den Menschengeist, denn dadurch unterscheidet sich der Mensch vom Tier, und körperlich kann der Mensch nicht Ebenbild Gottes sein, da Gott nur Geist ist. Wie kann es demnach Sünde sein, zu streben, dem Ebenbild gleich zu werden, nach dem man erschaffen ist?
Und Gott gab dem Menschen Verstand und freien Willen! Was soll der Mensch mit dem Verstand, wenn er nicht beurteilen dürfte, was gut und böse ist? Wenn das sogar Sünde wäre! Im Evangelium lesen wir sogar, daß Christus den Menschen tadelt, der sein Talent vergraben hat. Nein, die ihm von Gott gegebenen Talente nicht zu gebrauchen, das kann nicht der Wille des Schöpfers sein. Gott wäre nicht allgütig und nicht allweise, Gott wäre nicht Gott, wenn er in den Menschen ein ,, unausrottbares Verlangen" gelegt hätte, das nur zum Verderben dienen kann. Man muß es sogar für mehr als unwahrscheinlich halten, daß dies die ehrliche Meinung des Pfarrers Dr. L. ist; es drängt sich hier fast zwingend die Vermutung auf, der Herr Pfarrer handle hier nicht als Seelsorger, sondern als Gegner der Demokratie. Gott wird durch seine Darstellung nicht ehrwürdiger und auch nicht liebenswerter durch die Behauptung, er habe dem Menschen Verstand und freien Willen nur als Fallstrick, nur als Versuchung seines Gehorsams gegeben. Gott als groß und liebenswert erkennen zu lassen, dürfte aber doch eher als die Aufgabe eines Pfarrers anzusehen. sein, als sein Kampf gegen die Demokratie.
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