Die Macht Hitlers im Staate war eine politische Angelegenheit. Die Frage ,, Diktatur oder Demokratie?" betrifft die Politik und nicht die Religion. Den Krieg haben politische Maßnahmen herbeigeführt, und die Folgen des Krieges zu überwinden erfordert eine vernünftige Politik, erfordert insbesondere die Zusammenfassung aller aufbauwilligen Kräfte, auch die Kräfte derer, die nicht einer Konfession angehören, die in ihrer Meinung über ein Leben nach dem Tode verschiedener Meinung sind. Auch eine Wiederholung des Krieges zu verhindern, ist Aufgabe der Politik. Wir sind durchaus berechtigt zu der Feststellung, daß der zweite Weltkrieg als entscheidende UrEinem sache die Uneinigkeit des deutschen Volkes hatte. einigen Volke gegenüber hätte kein Hitler aufkommen können. An dieser Uneinigkeit trug wesentlich auch die Trennung der Menschen nach Konfessionen bei, und daß sich diese Trennung auch in der Politik auswirkte, daß die Religion in den politischen Streit gezerrt wurde. Als Folge dessen sehen wir heute den Ruin, das Elend des ganzen Volkes, unter dem die Juden wie die Christen, die Rechtgläubigen wie die Irr- und Ungläubigen zu leiden haben. Aus dem Elend herauszukommen, wie auch eine Wiederholung zu verhindern, müssen demnach die Ursachen ausgerottet werden. Dazu gehört nicht irgendeine Rechthaberei, nicht eine Abneigung gegen diese oder jene Konfession, sondern dazu verpflichtet die Sorge um das ganze Volk. Politik mit Religion zu verquicken hat sich als Unheil erwiesen, gehört mit zu den Ursachen unserer gemeinsamen materiellen Not. Ueberwindung dieser Not und Abwehr ihrer Wiederholung ist nötig für uns alle, und wir bedürfen dazu die bereitwillige Mitarbeit aller. Wird der Aufbau gestört durch die gleichen Ursachen, die auch zum Ruin beigetragen haben, dann besteht doppelte Veranlassung, gegen diese Ursachen den Kampf aufzunehmen.
Schon Johann Hus und Martin Luther haben erfahren, daß eine Kritik an den Leuten, welche die Kirche repräsentieren,
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