Wenn sich nun noch diejenigen zu je einer Partei zusammenschließen, die Demokratie, aber keinen Sozialismus wollen, und diejenigen, welche Demokratie ablehnen, dann wäre damit die Reihe der berechtigten politischen Parteien erschöpft. Alle anderen Parteien und Gruppen vertreten Sonderinteressen, die innerhalb der großen Parteien zu behandeln wären, die aber nicht die Bildung einer besonderen politischen Partei rechtfertigen, die im Gegenteil die gedeihliche Arbeit einer Demokratie nur stören können.
Das Zentrum hatte schon in der Republik keine Daseinsberechtigung mehr. Die Zentrumspartei war notwendig, als Bismarck die katholische Kirche unterdrückte, im Kulturkampf. In einer Demokratie besteht für einen politischen Zusammenschluß auf Grund der Religion keine Veranlassung; auch ein solcher Zusammenschluß kann nur als Hindernis der Demokratie wirken.
Für jeden Demokraten ist die Freiheit des Religionsbekennt- nisses selbstverständlich; es bedeutet also bereits ein Miẞtrauen gegen die Demokratie, wenn die Gründung einer politischen Partei aus religiösen Gründen erfolgt, wenn sich Staatsbürger als Vertreter einer Weltanschauung in die Politik einmischen. Indem sie als Vertreter einer Weltanschauung auftreten, bekennen sie, daß sie nicht Demokraten sind. Bedeutet ihr Auftreten ein Mißtrauen gegen die Demokratie, dann rechtfertigt es noch mehr das Mißtrauen gegen sie selbst. Den politischen Körperschaften stehen nur Maßnahmen zu, die das Wohl der Gesamtheit betreffen; der Staat hat nur die Angelegenheiten zu regeln, die das Volk in seiner Gesamtheit berühren. Innerhalb des so vom Staat gezogenen Rahmens hat jeder einzelne und jede Gruppe die Freiheit, aber auch die Pflicht, die eigenen Angelegenheiten selbst zu ordnen.
Wer kein Vertrauen zur Demokratie hat, der soll das offen bekennen; er hat im demokratischen Staat nicht nur das Recht dazu, sondern er sollte es als anständiger Mensch auch für
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