frei handeln dürften, wir hätten der Welt schon wieder in noch vollständigerer Weise unsere politische Unreife zur Schau gestellt, als wir es bis jetzt schon getan haben.
Es gibt verschiedene Beweggründe, aus denen heraus sich eine Partei zusammenfindet. Verschiedene Meinungen über die rechten Mittel und Wege zur Förderung des Gesamtwohls sollten in der Demokratie die einzig berechtigten Gründe sein. Solche Meinungsverschiedenheiten erklären aber keineswegs die Zahl der jetzt schon bestehenden Parteien. Unsere Zukunft ist vorläufig noch so dunkel, daß noch nicht ein einziges Programm für sich in Anspruch nehmen kann, klar durchdacht und von Ueberzeugung getragen zu sein. Um einen Plan oder ein Programm aufzustellen, von dessen Vortrefflichkeit man überzeugt sein kann, muß man wissen, welche Mittel zur Durchführung dieses Programms oder Plans vorhanden sind. Das weiß aber noch niemand in Deutschland , mithin kann auch noch kein Programm eine Gefolgschaft um sich sammeln, die von der Güte desselben begeistert wäre.
In dieser Betrachtung scheiden natürlich die Parteien aus, die ein altes Programm mit weitgestecktem Ziel haben. Es soll hier keine Werbung für irgendeine Partei Platz haben, aber ganz streng objektiv betrachtet, besteht in diesem Sinne nur noch die Sozialdemokratische Partei . Ihr Programm besteht in seinen Grundzügen seit 83 Jahren und erstrebt den Sozialismus. Das ist ein Ziel, das unstreitig nicht für eine Sondergruppe, sondern für das ganze Volk erstrebt wird, es rechtfertigt also die Bildung einer politischen Partei, und es ist nicht an die jeweilige Staatsform gebunden; es wurde im Königreich, wie im Kaiserreich und in der Republik vertreten und hat konsequent zur Grundlage die Demokratie, die Verwirklichung mit friedlichen Mitteln. Das Programm gestattete der SPD. jederzeit die innere Fortentwicklung und bedarf also auch heute keiner Aenderung, da es die Stellungnahme zu den Tagesfragen frei läßt.
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