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Knüppel auf dem Wege zur Demokratie / von Josef Radermacher
Entstehung
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Sein

Schriftsteller Maupertuis, La Mettrie und Voltaire lebten an seinem Hofe. Sein Vater hatte versucht, die Rechte des Adels zu beschneiden; Friedrich erweiterte diese Vorrechte. Vater hatte Wert auf tüchtige Beamte gelegt; Friedrich zer­störte das Verantwortungsgefühl seiner Beamten, indem er alles von seinem Willen abhängig machte. Seine Kriege führte er leichtfertig und gewann sie nur durch äußere Umstände, die nicht sein Verdienst waren. Aber er war ein ,, aufgeklärter Despot" und verachtete selbst diejenigen, die sich ihm so willenlos unterstellten. Ein Jahr vor seinem Tode schrieb er: ,, Ich bin es müde, über Sklaven zu herrschen".

Der Stammvater der Nachfolger Friedrichs II. war sein jüngerer Bruder August Wilhelm. Zu ihm sagte der König während des Siebenjährigen Krieges im Jahre 1757 einmal: ,, Kommandieren Sie einen Harem, wenn's beliebt; aber solange ich lebe, werde ich Ihnen das Kommando nicht über 10 Mann mehr anvertrauen!"

Friedrich hatte keinen Sohn. Hätte der jüngere Bruder länger gelebt als er, dann wäre dieser sein Nachfolger ge­worden, der Mann, dem der König nicht das Kommando über zehn Mann anvertrauen wollte. Recht und Gesetz hätten diesen Mann zum unbeschränkten Herrscher über ein ganzes Volk gemacht. Das müßte allein genügen, den Widersinn der erb­lichen Macht zu beweisen.

August Wilhelm starb, bevor er weiteres Unheil anrichten konnte, aber sein Sohn Friedrich Wilhelm II. , der dadurch den Thron Friedrichs des Großen erbte, hätte noch mehr als sein Vater verdient, davongejagt zu werden. Er richtete tatsächlich in Berlin den größten Harem der Hohenzollerngeschichte ein. Schon in seiner Jugend lautete die Auskunft eines seiner Vertrauten über ihn:

,, Er hat alles mit den Mädchen durchgebracht; er hat unter andern eine, die ihn 30 000 Taler im Jahr kostet. Das Geld, welches er braucht, um die Spione seines

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