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Knüppel auf dem Wege zur Demokratie / von Josef Radermacher
Entstehung
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lion Taler Diamanten sammeln kann, da mag die Heiligkeit der Ehe sonderbar gebettet sein, und wo die Ehrlichkeit be- straft wird, da haben diese beiden ganz'gewiß nicht als einzige Reichtum gesammelt.

Und alles bezahlte das Volk. Die Hohenzollern blieben trotz aller Verschwendung und aller Prachtentfaltung schwerreiche Leute. König Friedrich I. bezahlte nicht, nur seinen Königs- titel mit Leib und Leben seiner Untertanen; er verkaufte sie auf. alle Kriegsschauplätze Europas; vierzehn Millionen Taler soll er während seiner Regierungszeit aus solchen Verkäufen erworben haben. Und solche Geschäfte machten in dieser Zeit nicht nur die Hohenzollern . Ferdinand Freiligrath sagt über die derzeitigen Untertanen:

Sie sind.in ihrer Herren Dienst

so hündisch treu! Sie lassen willig sich

zum Mississippi und Ohiostrom,

nach Kanada und an den Mohrenfels verkaufen. Stirbt der Sklav, so streicht der Herr den Sold ein, doch die Witwe darbt; 1

die Waisen zieh'n den Pflug und hungern.

Dürfen wir geringschätzig herabsehen auf die Menschen, die so hündisch treu waren? Wir, die wir im zwanzigsten Jahrhundert noch zwölf Jahre lang das Joch des National- sozialismus getragen haben! Wir haben heute dazu kein Recht mehr!

Bis zum Jahre 1933 konnte uns immerhin Mitleid mit jenen Menschen bewegen. Sie waren ja hineingeboren in diese Rechtsordnung, die ihre totale Rechtlosigkeit war. Von Ahnen! und Urahnen war ihnen die Meinung überliefert, diese Landes- herren seien die ihnen von Gott gesetzte Obrigkeit, diese Rechtlosigkeit sei ihnen von Gott bestimmt. Sie konnten noch nicht lesen und schreiben; es gab noch keine Zeitungen, keine Eisenbahnen, keine Flugzeuge und keinen Rundfunk. Die Menschen konnten noch nicht mit anderen Menschen über die

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