verlassen und in fremden Ländern kämpfen, bluten und sterben, damit ihr Kurfürst sich fortan König nennen dürfe.
Der Kanzler Friedrichs, Freiherr von Danckelmann, war so ehrlich oder unvorsichtig, den König wissen zu lassen, er halte diesen Preis für den Königstitel zu hoch. Zur Strafe dafür entließ ihn Friedrich aus seinem Amt. Der Kurfürstin genügte diese Entlassung als Strafe nicht; auf ihr Betreiben wurde Danckelmann verhaftet und in den Kerker geworfen. Erst nach ihrem Tode war es möglich, ihm im Gefängnis eine etwas bessere Behandlung zuteil werden zu lassen; seine Freiheit erlangte er erst wieder durch Friedrichs Nachfolger.
Der Nachfolger Danckelmanns, der Reichsgraf von Wartenberg, verstand es besser, seinen Herrn zufriedenzustellen. Daß sein Vorgänger im Kerker schmachtete, erinnerte ihn ja jederzeit daran, wie man es nicht machen darf. Seine Frau, die Reichsgräfin , war zugleich die Mätresse des Königs und der eigentliche Regent des Landes, denn sie setzte bei Friedrich in allen Dingen, sowohl bei Hofe wie in der Regierung, ihren Willen durch; nach ihrem Willen wurde der Prunk bei den Festen entfaltet, und sie war es, die ihren Günstlingen die Ämter und Orden beschaffte.
Und Johann Casimir , ihr gehörnter reichsgräflicher Gemahl, nutzte dies in schamlosester Weise aus. Er brachte es bald zu einem Jahresgehalt von 123 000 Talern für seine nutzlosen Dienste und verschaffte sich außerdem Macht und Geld durch Vereinigung mehrerer Ämter in seiner Hand. Millionen Taler nahm er mit, und seine Frau für eine halbe Million Taler Diamanten, als die Günstlingswirtschaft zu Ende ging und sie ihren Wohnsitz nach Frankfurt verlegten.
Allein daraus schon kann man sich ein Bild machen von den Zuständen am Hofe des ersten Königs von Preußen. Wo mehrere Millionen Taler in die Tasche eines einzelnen verschwinden können, da muß das Geld ziemlich reichlich rollen;
wo eine Mätresse zu dem Luxusleben noch für eine halbe Mil
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