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Knüppel auf dem Wege zur Demokratie / von Josef Radermacher
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vorläufig noch ein Lehen und unterstand der Oberhoheit des Königs von Polen . Der Kurfürst mußte dem König kniend ge- loben,treu und gehorsam zu sein von dieser Stunde bis zum letzten Tage seines Lebens, niemals einem Rate beizuwohnen oder bei einer Tat zu helfen, durch die der polnische König sein Leben oder ein Glied verliert, überhaupt ihm und dem polnischen Reich gegen den eindringenden Feind Hilfe zu leisten. Es mag wohl heute noch für manchen Deutschen unvorstellbar sein, wie die Vertreter ihresangestammten Herrscherhauses sich kniend vor dem König von Polen , und diesen Schwur leistend, in Warschau präsentierten. Sie haben damit nicht etwa ihren Untertanen gedient, sondern einzig und allein ihrer Macht- und Habgier.

Während Georg Wilhelm zur Erfüllung dieser unwürdigen Zeremonie nach Warschau reiste, verlobte seine Mutter in Berlin die Schwester des Kurfürsten mit dem ärgsten Feind Polens , dem Schwedenkönig Gustav Adolf . Als der König von Polen dies erfuhr, durfte er wohl mit Recht Zweifel hegen an der Zuverlässigkeit eines hohenzollernschen Eidschwurs.

Friedrich Wilhelm, derGroße Kurfürst, war im Gegensatz zu seinen Vorgängern ein unternehmungslustiger Mann, aber was man als deutsche Tugend bezeichnet, das finden wir auch in seinen Handlungen nicht.. Auch er hat bei seinem Re-

gierungsantritt vor dem polnischen König gekniet und ihm seine Treue beschworen; das hinderte ihn aber nicht, sich mit Schweden gegen Polen zu verbünden. Seinem Volke brachte

dies nur Leid, und ihm selbst eine neue Demütigung; er mußte sich nun dem König von Schweden in der gleichen Weise zum Gehorsam verpflichten, wie vorher dem Polen . Sein Land war bis dahin vom Dreißigjährigen Krieg verschont geblieben; nun lernte es alle Beschwerden dieses Krieges kennen. Durch sein Bündnis mit Schweden brach der Große Kurfürst aber auch gleichzeitig ein solches mit den Niederlanden , für welches er viel Geld angenommen hatte. Nur so viel über seine Treue.

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