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Knüppel auf dem Wege zur Demokratie / von Josef Radermacher
Entstehung
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Statt zu einen Deutschlands Stämme, Warf er fremde zueinander,\ Stark und groß, nur nicht so gütig, Wie der Grieche Alexander.

Dreiundfünfzig Jahre lang wehrten sich die Preußen gegen das fremde Joch und das fremde Evangelium; weitere hundert Jahre wehrten sich die Litauer gegen das gleiche Los, und dann siegten am 15. Juli 1410 die katholischen Polen über die christlichen Ritter; das Ordensland Preußen kam unter pol- nische Lehnshoheit; die Deutschritter mußten nun dem König von Polen den Treueid leisten, wenn sie ihr Ordensland weiter regieren wollten. Damit begann ihr Niedergang.

In dieser Notlage wählten sie den Prinzen Albrecht von Hohenzollern zum Ordensmeister. Zwanzig Jahre alt war dieser Prinz, und die Ritter des Deutschen Ordens wählten ihn nicht wegen seiner persönlichen Fähigkeiten; aber er war der Vetter des Kurfürsten von Brandenburg , der Vetter des Kurfürsten von Mainz , der auch Kardinal und Erzbischof von Magdeburg und Halberstadt war; mit der Macht der Hohen- zollern in Deutschland wollte sich der Deutsche Orden ver- binden durch die Wahl des zwanzigjährigen Hochmeisters; man erwartete davon einen stärkeren Schutz gegen Polen . Der Hohenzoller erfüllte nicht nur diese Hoffnung nicht, sondern tat das Gegenteil; er trat zur neuen Lehre über, verwandelte das geistliche Ordensland in ein weltliches Herzogtum, leistete dem König von Polen den Treueid und erhielt dafür das Her- zogtum Preußen als erbliches Lehen; was bis dahin Eigentum des Ordens gewesen, das gehörte ihm nun persönlich und ver- erbte sich in seiner Familie. Statt geistlicher Vorgesetzter war er nun weltlicher Fürst; die Ritter legten ebenfalls ihre Ordens- tracht ab, wurden Großgrundbesitzer und heirateten.

Um die Erbfolge Albrechts war es freilich schlecht bestellt; sein Sohn war blödsinnig. Aber der Brandenburger Hohen-

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