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Knüppel auf dem Wege zur Demokratie / von Josef Radermacher
Entstehung
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Flugschriften gegen einen regierenden Fürsten, das war im Jahre 1528 etwas ganz Ungeheuerliches; war der Haß Joachims auch unberechtigt, so war er doch nicht unbegreiflich.

Wegen seiner Habgier war dieser Hohenzoller weit über seine Landesgrenzen hinaus berüchtigt. Zur Befriedigung dieser Habgier benützte er auch seine Stimme im Kurfürstenkollegium, sein Mitbestimmungsrecht bei der Kaiserwahl. Fast ein Jahr vor dem Tode des Kaisers Maximilian bot er diesem seine Stimme für Karl, den Enkel des Kaisers an. Er verlangte dafür eine spanische Prinzessin für seinen zwölfjährigen Sohn. Diese wurde ihm bewilligt; Karl, der Enkel Maximilians, war König von Spanien .

Joachim verhandelte aber zur gleichen Zeit auch mit dem König von Frankreich , der ebenfalls Kaiser von Deutschland werden wollte. Im August führten diese Verhandlungen zu einem festen Abkommen. Der Kurprinz, für den die spanische Prinzessin in Aussicht genommen war, verlobte sich nun mit einer französischen Prinzessin; für den standesgemäßen Unter- halt des zwölfjährigen Bräutigams zahlte der König von Frank- reich an Joachim I. jährlich 4000 Lire, und für Joachim selbst das Doppelte. Also 12000 Lire jährlich sollte der deutsche Kurfürst erhalten dafür, daß er bei der Kaiserwahl für den König von Frankreich stimmte, falls diese Stimme entscheidend sein sollte. Das erschien sehr wohl möglich, da für die Kaiser- wahl nur sieben Stimmen in Betracht kamen, und Albrecht, der Mainzer Kurfürst und Bruder des Brandenburgers, sich ebenfalls an diesem Handel beteiligte. Zur Gegenleistung für die Prinzessin und das Jahresgehalt von 12000 Lire gehörte allerdings auch, daß Frankreich das Recht erhielt, in Branden- burg Soldaten zu werben; der Kurfürst verkaufte also auch einen Teil seiner Landeskinder.

Der Mainzer ließ sich einen namhaften Betrag als Kaufpreis° ‚für seine Stimme auszahlen, trat aber bald nachher von dem Vertrage zurück; das Geld behielt er. Der Kaiser hatte ihm ein

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