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Knüppel auf dem Wege zur Demokratie / von Josef Radermacher
Entstehung
Seite
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gemangelt", ein Satz, der das Privatleben dieses Tyrannen blitzartig beleuchtet.

In einem Augenblick furchtsamer Verwirrung gibt der Gatte nach, dann reut es ihn, in einer heftigen Szene mit seiner Frau kommt es zu Drohungen, zum Streit, zu Tätlichkeit. Sein Messer trifft die Frau, ohne sie ernstlich zu verletzen; sie ent­windet sich ihm und entflieht. Diese Gelegenheit benutzt der Kurfürst, in dessen Gemächern sie sich versteckt hält. Er ruft den Hornung zu sich und gibt vor, die Familie seiner Frau habe eine Klage gegen ihn eingereicht; er droht ihm mit pein­lichem Verhör und peinlicher Strafe. Der eingeschüchterte Bürger unterschreibt einen Zettel, durch den er sich verpflich­tet, sofort das Land zu verlassen und fernzubleiben, bis der Kurfürst selbst ihm die Rückkehr gestatte. Zu seinem Eigen­tum durfte er nicht zurück. In ein Haus, das ihm bezeichnet wurde, brachte man ihm ein Pferd; da saß er auf und ritt davon.

Von auswärts fragt er bei der Mutter seiner Frau an, warum sie ihn so bitter verklagt habe. Die Antwort lautet, sie wüßte nichts gegen ihn vorzubringen und hätte auch keine Klage getan. Nun selbstverständlich ein Gesuch an den Kurfürsten, das ihm sein Unrecht vorhält und um Wiederaufnahme im Lande bittet. Der aber lehnt es kurz und schneidend ab."

Dieses betrogenen Ehemannes hat sich Luther mit Rat und Tat angenommen; er hat ihn unterstützt und zugleich Briefe für ihn an seine Frau und den Kurfürsten geschrieben. Diese Briefe fallen in die Zeit von Dezember 1527 bis zum Oktober 1528. Der Ton, in dem Luther an den Hohenzollern schreibt, wird immer erregter; schließlich droht er ihm ,,, da der Kur­fürst genugsam verwarnt sei, dem kurfürstlichen Hut ins Futter zu greifen, daß die Haare emporstieben". Der Kurfürst hat sich durch diese Drohung nicht schrecken lassen, so daß Luther sich veranlaßt sah, das anstößige Treiben durch Flugschriften an den Pranger zu stellen.

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